Thema: Weltanschauung vs. wahrheitsgerechte Wahrnehmung. Sind wir wirklich frei in unseren Entscheidungen zum Handeln?


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Einführung:

Nichts ist unmöglich, um Freiheit, Recht und Menschenwürde zur Grundlage allen Seins zu erheben“– war die Vision von Lida Gustava Heymann
Lida Gustava Heymann wurde am 15. März 1868 in Hamburg in eine Zeit hineingeboren, in der Frauen keinerlei Rechte hatten. Sie erhielt die standesgemäß klassische Bildung ihrer Zeit: Zunächst wurde sie privat zu Hause unterrichtet, dann besuchte sie eine höhere Töchterschule und anschließend ein internationales Mädchenpensionat in Dresden. Zurückgekehrt nach Hamburg entschied sie, ihr Leben so frei wie möglich zu gestalten.
Was bedeutet aber „Leben so frei wie möglich“ in der heutigen Zeit? Die handelnde Überzeugung wird u.a.bestimmt von der Treue zu den eigenen Werten. Wertvorstellungen einer Gesellschaft und Treue zu den eigenen Werten erlauben eine eigene objektive Wahrnehmung. Was kann heutzutage unsere Wahrnehmung beeinflussen? Wie lote ich meine Wahrnehmung, so dass ich frei entscheiden kann?

Zusammenfassung der Beiträge

Sind wir wirklich frei in unseren Entscheidungen zum Handeln? Kurz geantwortet: Eher nein. Wahrnehmung ist abhängig von Konditionierungen aus der Kindheit, Eltern und anderen Bezugspersonen, Gesellschaft, Schule, Medien. Es entsteht Haltungen und Einstellungen zu mir selbst, zu anderen Menschen, zum Leben und was es bedeutet. Z.B. ob das Glas halb leer ist oder halb voll wird gewissermaßen in den ersten Lebensjahren programmiert, durch Übernahmen der Gefühls- und Stimmungswelten der umgebenden Menschen, auch durch Belohnungen und Bestrafungen. Kinder sind zum größten Teil ausgeliefert, da sie von Erwachsenen abhängig sind (und mit vier Jahren z.B. nicht ausziehen können, wenn sie nicht gut behandelt werden). Wahrnehmung lässt sich auch nicht durch willentliche Prozesse beeinflussen, Verdrängung und andere Abwehrmechanismen.   Menschen bilden sog. „psychische Systeme“ aus, mit denen sie dann die Welt wahrnehmen, sie glauben dann, dass diese Weltsicht wahr ist, da sie es nicht anders kennen. Ausweg: Bewusstsein. Bewusst machen des eigenen Fühlens und Denkens und in Frage stellen dessen. Anfangen wirklich selbst zu denken (im Kant’schen Sinne). Keine Übernahme gesellschaftlicher Narrative (Schule, MEDIEN etc.) z.B. „Das ist alternativlos“, sondern Hinterfragung und eigene Recherche. Fragen: Wem nützt es? „Wer verdient daran?“ (dem Weg des Geldes folgen). Diesen Weg können nur wenige Menschen gehen, da sie nicht genug Zeit und evtl. Kraft haben dafür, sowie in Unkenntnis darüber leben. Zudem werden sie gesellschaftlich, durch „Brot und Spiele“ und „teile und herrsche“, beschäftigt und abgelenkt.

Wahrheitsgerechte Wahrnehmung – Treue zu eigenen Werten – Wertevorstellung – Objektive Wahrnehmung: Ich denke, jeder Mensch ist frei in seinen Entscheidungen zum Handeln – auch wenn die Entscheidungen möglicherweise durch äußere Zwänge und Einschränkungen beeinflusst werden.  In jeder Situation habe ich eine Wahl – auch wenn diese Wahl nicht immer meine Präferenzen unterstützt.
Gottlob Frege (1848 – 1925), Mathematiker, Logiker und Philosoph hat in seinen Werken die Diskussion geführt, ob es eine allgemeingültige Wahrheit gibt. Aus meiner Sicht ist die Schlussfolgerung richtig, dass es diese nicht gibt, denn jede Wahrnehmung oder Erkenntnis ist subjektiv entstanden. Jeder Mensch lebt in seiner eigenen Wahrheit, die meist dominiert wird von den Aspekten, von denen wir am stärksten überzeugt sind – auch wenn diese nur ein Produkt unserer Gedanken und Gefühle sind.
Unser Denken und die resultierenden Gedanken sind abhängig von unserem Umfeld (geistig, geistlich, kulturell) – unsere Werte und Weltanschauung entwickeln sich in diesem Umfeld und werden kontinuierlich geprägt durch das was mein Geist verarbeiten kann.
D.h. in meiner aktuellen Wertung der Dinge forme ich meine aktuelle subjektive Wahrheit – die meine Entscheidungen hervorbringt. Warum fühlen wir uns dann oft „nicht frei“ in unseren Entscheidungen? Ich denke es sind die gedachten Konsequenzen oder der Mangel an Vorstellungskraft oder das geringe Vertrauen in eigene Fähigkeiten, die uns selber einschränken lassen.

Um die wahrheitsgerechte Wahrnehmung zu betrachten, stellt sich für mich als Aufgabe zu definieren: was ist gerecht oder was ist ungerecht. Jeder von uns  hat Werte und Wertvorstellungen, die uns dabei helfen können, diese zu erkennen. Aber: welche Werte sind Maßgebend für die Beurteilung was gerecht oder ungerecht ist? Sind die westliche Werte und Wertvorstellungen gleich für alle Menschen einzusetzen? Wenn ich mich gegenüber anderen betrachte, denke ich, dass die kulturelle Unterschiede an dieser Stelle sehr von Bedeutung sind. Denn die kulturelle „Herrschaft“ einer Nation kann bestimmend für die Entwicklung des eigenes „Ich“ sein. Wichtig wird dieser Aspekt, wenn verschiedenen Kulturen aufeinander prallen. Man befindet sich in Deutschland (kulturelle „Herrschaft“), wo Menschen aus verschiedenen Kulturen leben, wo Werte und Weltvorstellungen eine tägliche Begegnung haben. Dort wo ich mich befinde, habe ich die Möglichkeit die Sachen anders wahrzunehmen als wenn ich mich in einem anderen Land befinde. Was passiert mit meiner Weltanschauung? Ändert sich etwas daran, wenn ich die Umgebung wechsele? Ich denke, ja. Außerdem, ist es auch möglich, dass die „Herrschaft“ einer Gesellschaftsschicht innerhalb einer Nation polarisierend wirken kann. Z. B. wenn die Kluft zwischen der Schicht der Reichen und der der Armen sehr deutlich groß wird, und bestimmte Menschen praktisch sozial ausgeschlossen werden. Damit wird die Wahrnehmung beeinflusst und die Frage „was ist gerecht oder nicht“ taucht stärker vor dem Augen auf.  An dieser Stelle, was passiert mit meiner Weltanschauung? Ändert diese Lage die Wahrnehmung? Ich denke, ja.
Ich unterscheide also, zwischen die wahrheitsgerechte Wahrnehmung und die objektive Wahrnehmung. Soweit ich eine kulturelle „Herrschaft“ hautnah spüre, kann ich von einer wahrheitsgerechte Wahrnehmung dieser Herrschaft reden. Anders ist mit der eigenen objektiven Wahrnehmung, die m. E. von
Wertvorstellungen einer Gesellschaft und Treue zu den eigenen Werten definiert wird.
Was ist mit meiner Handlung? Ich könnte behaupten, dass die handelnde Überzeugung von der Treue zu den eigenen Werten bestimmt wird. Hier ist die objektive Wahrnehmung maßgebend. Ich handele frei, wenn ich meine eigenen Werte und die Weltvorstellung einer Gesellschaft im Einklang bringe. Wobei ich mich bei der objektiven Wahrnehmung immer Frage, welche kulturelle „Herrschaft“ meine Werte und welche Kultur meine Wertvorstellung bestimmt haben, da ich in zwei verschiedenen Ländern aufgewachsen bin. Auf jedem Fall diese aus der westlichen Kultur.
Andres ist, wenn ich meine wahrheitsgerechte Wahrnehmung betrachte, denn sie wird über das kollektives Denken und die Medien beeinflusst. Da sehe ich eine Gefahr für die Freiheit. Ich handele hier anhand einer Wahrnehmung von dem was ich beispielweise über die Medien von einem Geschehen in einem Ort sehe. Das ist anders als  wenn ich dort das Geschehen erlebe und beurteile. Da frage ich mich: was ist denn wahrheitsgerecht? und wenn ich das kollektive Denken betrachte, sind wir nicht allein aber auch in mitten einer manipulierten Wahrnehmung. Das hat eine Wirkung auf unsere Handlung, auch auf unsere freie Handlung. Anschließend, wenn wir verschieden Staaten betrachten – meiner Ansicht nach – muss ein Gleichgewicht zwischen dem „ich“ des eigenen Volkes einer Nation (Identität) und dem „ich“ des Fremdes Volkes existieren. Ich denke, zum Erhalt dieses Gleichgewichtes gehören die Freiheit der eigenen Entscheidung und die Verhinderung der Institutionalisierung des Fremdenhasses. Auf den persönlichen Ebenen bedeutet dies die Grenzen der eigenen Toleranz zu erkennen. Somit können wir frei und harmonisch miteinander leben. Wichtig is dabei, den Umkreis des eigenen „Ichs“ ziehen und mit Herzlichkeit neben dem Umkreis des  „Ich“ des Anderen co-existieren.

Beiträge: Anonym, Claudia, Virginia


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